Was sind Pflegegrade?

Seit der Pflegereform 2017 ersetzen die fünf Pflegegrade die früheren drei Pflegestufen. Das neue System bewertet nicht mehr nur körperliche Einschränkungen, sondern berücksichtigt den Menschen in seiner Gesamtheit – einschließlich kognitiver, psychischer und sozialer Beeinträchtigungen. Das kommt insbesondere Menschen mit Demenz zugute.

Die fünf Pflegegrade im Überblick

Pflegegrad Bezeichnung Beeinträchtigung
1 Geringe Beeinträchtigung 12,5 – unter 27 Punkte
2 Erhebliche Beeinträchtigung 27 – unter 47,5 Punkte
3 Schwere Beeinträchtigung 47,5 – unter 70 Punkte
4 Schwerste Beeinträchtigung 70 – unter 90 Punkte
5 Schwerste Beeintr. mit besond. Anforderungen 90 – 100 Punkte

Wie läuft die Begutachtung ab?

Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt durch den Medizinischen Dienst (MD) – bei privat Versicherten durch Medicproof. Ein Gutachter besucht die pflegebedürftige Person zu Hause oder in der Einrichtung und beurteilt sechs Lebensbereiche:

  1. Mobilität – Fortbewegung und Positionswechsel
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten – Orientierung, Entscheidungsfindung
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen – z. B. Unruhezustände
  4. Selbstversorgung – Körperpflege, Ernährung, An- und Auskleiden
  5. Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen – Medikamente, Therapien
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Tipps für das Begutachtungsgespräch

  • Führen Sie vorab ein Pflegetagebuch, in dem Sie tägliche Hilfebedarfe notieren.
  • Schildern Sie den schlechtesten Tag, nicht einen Durchschnittstag.
  • Haben Sie alle ärztlichen Unterlagen und Medikamentenlisten bereit.
  • Eine Vertrauensperson darf beim Gespräch anwesend sein.
  • Widerspruch ist möglich: Bei Ablehnung oder zu niedrigem Pflegegrad können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen.

Was tun bei einem zu niedrigen Pflegegrad?

Wenn Sie der Meinung sind, dass die Einstufung nicht dem tatsächlichen Hilfebedarf entspricht, haben Sie das Recht auf Widerspruch. Wenden Sie sich dazu an Ihre Pflegekasse und legen Sie zusätzliche ärztliche Atteste oder ein Pflegetagebuch vor. Häufig empfiehlt sich auch eine Beratung durch einen unabhängigen Pflegestützpunkt.

Fazit

Das Pflegegradsystem ist komplex, aber transparent gestaltet. Eine gute Vorbereitung auf das Begutachtungsgespräch kann den Unterschied machen. Im Franziskus-Heim begleiten wir Familien und Angehörige gerne auf dem Weg zur richtigen Einstufung – sprechen Sie uns an.